ERP-Vergleich: Wie vergleicht man ERP-Anbieter richtig?

Ein ERP-System gehört zu den wichtigsten strategischen Entscheidungen eines Unternehmens. Wer ERP-Anbieter vergleichen möchte, stellt schnell fest: Ein einfacher Feature-Vergleich reicht nicht aus. Stattdessen geht es um Prozesse, Daten, Integrationen, Kosten und die langfristige Unternehmensstrategie. In diesem Beitrag erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie ERP-Anbieter systematisch vergleichen, welche Kriterien wirklich entscheidend sind und wie Sie typische Fehler vermeiden.
ERP-Vergleich-Bewertungsmatrix
Inhaltsverzeichnis

Warum ein ERP-Vergleich mehr ist als ein Softwarevergleich

Ein ERP-System bildet das digitale Rückgrat eines Unternehmens. Es verbindet Bereiche wie Finanzen, Einkauf, Vertrieb, Lager und Produktion in einer zentralen Plattform.

ERP beeinflusst Prozesse, nicht nur IT

Die Auswahl eines ERP-Systems ist keine reine IT-Entscheidung. Sie betrifft:
  • Geschäftsprozesse
  • Organisationsstrukturen
  • Datenflüsse
  • Reporting und Steuerung
Deshalb sollte ein ERP-Vergleich immer aus Business- und IT-Perspektive erfolgen.

Fehlentscheidungen sind teuer

Ein falsch gewähltes ERP-System verursacht nicht nur Lizenzkosten, sondern auch:
  • hohe Implementierungskosten
  • aufwendige Anpassungen
  • ineffiziente Prozesse
  • geringe Nutzerakzeptanz
  • teure Migrationen in der Zukunft
Deshalb ist ein strukturierter ERP-Vergleich entscheidend.

Wann lohnt sich ein ERP-Vergleich?

Ein ERP-Vergleich ist besonders sinnvoll, wenn:
  • das bestehende System nicht mehr skalierbar ist
  • zu viele Insellösungen existieren
  • Prozesse manuell oder fehleranfällig sind
  • Transparenz fehlt
  • Wachstum oder Internationalisierung ansteht
  • ein Wechsel in die Cloud geplant ist

ERP-Anbieter vergleichen: Der richtige Ablauf Schritt für Schritt

Ein erfolgreicher ERP-Vergleich folgt immer einem strukturierten Prozess. 1. Projektteam aufstellen Ein ERP-Projekt sollte interdisziplinär sein:
  • Geschäftsführung
  • IT
  • Finance
  • Operations
  • Einkauf
  • Key User aus Fachbereichen
Nur so werden alle Anforderungen berücksichtigt. 2. Anforderungen definieren Erstellen Sie ein strukturiertes Anforderungsprofil (Lastenheft):
  • funktionale Anforderungen (z. B. Buchhaltung, Lager)
  • technische Anforderungen (z. B. Cloud, APIs)
  • organisatorische Anforderungen
  • regulatorische Anforderungen
Wichtig: Priorisieren Sie in Muss-, Soll- und Kann-Kriterien. 3. Longlist erstellen Identifizieren Sie passende ERP-Anbieter basierend auf:
  • Unternehmensgröße
  • Branche
  • Funktionsumfang
  • Deployment-Modell (Cloud vs. On-Premises)
Ziel: 8–12 Anbieter in der ersten Auswahl. 4. Shortlist bilden Reduzieren Sie auf 3–5 Anbieter anhand Ihrer Muss-Kriterien:
  • Prozessfit
  • Budgetrahmen
  • Integrationsfähigkeit
  • Skalierbarkeit
5. Demos und Workshops durchführen Standard-Demos reichen nicht aus. Fordern Sie:
  • reale Use Cases
  • typische Geschäftsprozesse
  • konkrete Szenarien aus Ihrem Unternehmen
6. Proof of Concept (PoC) Bei komplexen Anforderungen sinnvoll:
  • Test realer Prozesse
  • Validierung von Integrationen
  • Bewertung der Benutzerfreundlichkeit
7. Angebote und TCO vergleichen Vergleichen Sie nicht nur Lizenzkosten, sondern die Total Cost of Ownership (TCO):
  • Softwarekosten
  • Implementierung
  • Datenmigration
  • Schulungen
  • Betrieb
  • Support
  • Erweiterungen
8. Entscheidung mit Bewertungsmatrix treffen Treffen Sie die finale Entscheidung nicht auf Basis von Bauchgefühl oder Einzelmeinungen, sondern mithilfe einer strukturierten Bewertungsmatrix. Definieren Sie dafür klare Kriterien (z. B. funktionale Abdeckung, Usability, Integrationsfähigkeit, Kosten) und gewichten Sie diese entsprechend ihrer Bedeutung für Ihr Unternehmen. Bewerten Sie alle Anbieter anhand derselben Kriterien und schaffen Sie so Transparenz und Vergleichbarkeit. Eine Bewertungsmatrix hilft nicht nur bei der objektiven Entscheidungsfindung, sondern macht die ERP-Auswahl auch intern nachvollziehbar und argumentierbar.

Unabhängige externe ERP-Berater: Wann sie im Vergleichs- und Auswahlprozess sinnvoll sind

Gerade bei komplexen ERP-Projekten kann es sinnvoll sein, unabhängige externe ERP-Berater in den Vergleichs- und Auswahlprozess einzubeziehen. Unternehmen stehen bei der ERP-Auswahl häufig vor der Herausforderung, fachliche Anforderungen, technische Rahmenbedingungen, Budgetfragen und strategische Ziele gleichzeitig zu bewerten. Ein erfahrener externer Berater bringt hier eine neutrale Perspektive ein und hilft dabei, den Auswahlprozess methodisch sauber, strukturiert und objektiv aufzusetzen. Im Unterschied zu softwaregebundenen Vertriebs- oder Implementierungspartnern verfolgen unabhängige ERP-Berater idealerweise nicht das Ziel, ein bestimmtes System zu verkaufen, sondern den tatsächlichen Bedarf des Unternehmens herauszuarbeiten und daraus eine belastbare Entscheidungsgrundlage abzuleiten. Im ERP-Vergleich unterstützen externe Berater vor allem dabei, Anforderungen zu präzisieren, Prioritäten festzulegen und die oft unübersichtliche Anbieterlandschaft einzugrenzen. Sie helfen bei der Erstellung eines Lastenhefts, moderieren Workshops mit Fachbereichen, übersetzen operative Anforderungen in vergleichbare Bewertungskriterien und sorgen dafür, dass nicht nur Funktionslisten, sondern auch Prozessfit, Integrationsfähigkeit, Skalierbarkeit, Projektaufwand und langfristige Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden. Darüber hinaus können sie Anbieterpräsentationen und Demos strukturieren, realistische Use Cases definieren und Angebote fachlich bewerten. Das reduziert das Risiko, sich von Marketingversprechen, Hochglanz-Demos oder reinem Preisvergleich leiten zu lassen. Besonders wertvoll ist die Unterstützung externer ERP-Berater auch in der Shortlist-Phase und bei der finalen Auswahl. Sie können Schwächen in Angeboten schneller erkennen, auf kritische Punkte in Verträgen oder Projektzuschnitten hinweisen und die Unterschiede zwischen Anbietern transparent machen. Gleichzeitig bringen erfahrene Berater häufig Marktkenntnis, Projekterfahrung aus verschiedenen Branchen und ein gutes Verständnis typischer Implementierungsrisiken mit. Das hilft Unternehmen, fundierter zu entscheiden und teure Fehlentscheidungen zu vermeiden. Wichtig ist dabei, tatsächlich auf unabhängige Beratung zu achten: Wer ERP-Anbieter vergleichen will, sollte prüfen, ob der Berater provisionsfrei arbeitet, keine Bindung an bestimmte Hersteller hat und nachweislich anbieterneutral vorgeht.

Nach welchen Kriterien sollte man ERP-Anbieter vergleichen?

Die folgenden Kriterien sind entscheidend für einen fundierten ERP-Vergleich. 1. Funktionsumfang und Prozessabdeckung Ein ERP-System sollte Ihre Kernprozesse vollständig abdecken:
  • Finanzwesen
  • Einkauf
  • Vertrieb
  • Lager & Logistik
  • Produktion
  • CRM
  • Reporting
Wichtig: Passung schlägt Funktionsvielfalt. 2. Branchenfit Ein Anbieter mit Branchenfokus bietet:
  • Best Practices
  • vorkonfigurierte Prozesse
  • schnellere Implementierung
  • geringeren Anpassungsbedarf
3. Skalierbarkeit und Zukunftsfähigkeit Achten Sie darauf, ob das ERP-System:
  • mit Ihrem Unternehmen wächst
  • internationale Expansion unterstützt
  • neue Geschäftsmodelle abbilden kann
4. Integrationen Ein ERP-System funktioniert nie isoliert. Typische Integrationen:
  • CRM-Systeme
  • E-Commerce
  • BI-Tools
  • HR-Systeme
  • Produktionssysteme
Wichtig: APIs, Schnittstellen und Integrationsfähigkeit prüfen. 5. Anpassbarkeit vs. Standard Zu viel Customizing führt zu Problemen:
  • hohe Kosten
  • schwierige Updates
  • technische Schulden
Ziel: so viel Standard wie möglich, so viel Anpassung wie nötig 6. Benutzerfreundlichkeit Ein ERP-System wird nur erfolgreich genutzt, wenn es:
  • intuitiv bedienbar ist
  • klare Benutzeroberflächen bietet
  • mobil nutzbar ist
7. Datenmigration Ein kritischer Erfolgsfaktor:
  • Datenqualität prüfen
  • Daten bereinigen
  • Migration planen
8. Sicherheit und Berechtigungen Wichtige Aspekte:
  • Rollen- und Rechtekonzepte
  • Datenschutz (z. B. DSGVO)
  • Zugriffskontrollen
9. Support und Partner Bewerten Sie:
  • Reaktionszeiten
  • Supportqualität
  • lokales Partnernetzwerk
  • Erfahrung in Ihrer Branche
10. Kosten und Total Cost of Ownership Berücksichtigen Sie:
  • Lizenzmodell (Subscription vs. Kauf)
  • Implementierungskosten
  • Betriebskosten
  • interne Ressourcen
11. Innovation und Roadmap Moderne ERP-Systeme bieten:
  • Cloud-Technologie
  • Automatisierung
  • KI-gestützte Funktionen
  • Echtzeit-Analysen

ERP-Vergleich nach Unternehmensgröße

Die Anforderungen an ein ERP-System unterscheiden sich je nach Unternehmensgröße erheblich. Während kleinere Unternehmen vor allem auf einfache Einführung und schnelle Ergebnisse achten, stehen bei größeren Organisationen Skalierbarkeit, Integrationstiefe und komplexe Strukturen im Vordergrund. Deshalb sollte ein ERP-Vergleich immer im Kontext der eigenen Unternehmensgröße und Wachstumsstrategie erfolgen.

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Für kleine und mittlere Unternehmen ist vor allem entscheidend, dass ein ERP-System schnell einsatzbereit ist und ohne große Komplexität implementiert werden kann. Standardisierte Prozesse, geringe Einstiegskosten und eine intuitive Bedienbarkeit spielen hier eine zentrale Rolle. Gleichzeitig sollte das System genügend Flexibilität bieten, um mit dem Unternehmen mitzuwachsen, ohne sofort hohe Anpassungsaufwände zu verursachen.

Für große Unternehmen

Große Unternehmen stellen besonders hohe Anforderungen an ERP-Systeme. Hier geht es um die Abbildung komplexer Konzernstrukturen, internationale Rollouts und umfassende Compliance-Vorgaben. Zudem spielen Themen wie Mehrmandantenfähigkeit, differenzierte Berechtigungskonzepte und die Integration zahlreicher Systeme eine zentrale Rolle. Ein ERP-System muss in diesem Umfeld nicht nur leistungsfähig, sondern auch langfristig skalierbar und strategisch weiterentwickelbar sein.

Cloud ERP vs. On-Premises im Vergleich

Die Frage nach dem richtigen Betriebsmodell gehört zu den zentralen Aspekten im ERP-Vergleich. Unternehmen müssen entscheiden, ob ein Cloud-basiertes ERP-System oder eine On-Premises-Lösung besser zu ihren Anforderungen, Ressourcen und ihrer langfristigen Strategie passt. Dabei geht es nicht nur um Technologie, sondern auch um Flexibilität, Kostenstruktur und Zukunftsfähigkeit.

Vorteile von Cloud ERP

Cloud-ERP-Systeme ermöglichen einen schnellen Einstieg, da keine eigene IT-Infrastruktur aufgebaut werden muss. Updates erfolgen automatisch, wodurch Unternehmen immer auf dem aktuellen Stand bleiben. Gleichzeitig bieten Cloud-Lösungen eine hohe Skalierbarkeit, sodass neue Nutzer, Standorte oder Funktionen flexibel ergänzt werden können. Auch die Anfangsinvestitionen sind in der Regel geringer, da meist ein nutzungsbasiertes Abrechnungsmodell zum Einsatz kommt.

Vorteile von On-Premises

On-Premises-Lösungen bieten Unternehmen maximale Kontrolle über ihre Systeme und Daten. Sie eignen sich besonders dann, wenn spezifische Anforderungen an Datenschutz, Compliance oder individuelle Anpassungen bestehen. In manchen Fällen kann auch die bestehende IT-Strategie oder Infrastruktur dafür sprechen, ein ERP-System weiterhin lokal zu betreiben.

Die zentrale Entscheidungsfrage

Die Entscheidung zwischen Cloud ERP und On-Premises sollte nicht isoliert getroffen werden. Vielmehr geht es darum, welches Modell am besten zur eigenen Unternehmensstrategie, den internen Ressourcen und den zukünftigen Anforderungen passt. In vielen Fällen ist nicht die Technologie allein entscheidend, sondern die Frage, wie flexibel, wartbar und zukunftssicher das gewählte System langfristig ist.

Typische Fehler beim ERP-Vergleich

Vermeiden Sie diese klassischen Fehler:
  • Fokus auf Anbieter statt Anforderungen
  • Bewertung auf Basis von Marketing-Demos
  • Vernachlässigung von Integrationen
  • Unterschätzung der Datenmigration
  • Ignorieren der Nutzerperspektive
  • nur Lizenzpreise statt TCO vergleichen
  • fehlendes Change Management

ERP-Bewertungsmatrix: So vergleichen Sie Anbieter objektiv

Eine Bewertungsmatrix hilft dabei, ERP-Anbieter strukturiert und nachvollziehbar miteinander zu vergleichen. Anstatt sich auf einzelne Eindrücke oder Bauchgefühl zu verlassen, werden alle relevanten Kriterien systematisch bewertet und gewichtet. So entsteht eine transparente Entscheidungsgrundlage, die sowohl fachliche als auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Die folgende Darstellung ist ein vereinfachtes Beispiel, das je nach Unternehmen, Branche und Projektanforderung individuell angepasst werden sollte.

Vorgehen

  1. Kriterien definieren
  2. Gewichtung festlegen
  3. Anbieter bewerten (z. B. 1–5 Punkte)
  4. Gesamtpunktzahl berechnen
  5. Ergebnis interpretieren

Beispiel für eine Gewichtung:

Kriterium Gewichtung
Funktionalität 25 %
Branchenfit 15 %
Integrationen 15 %
Benutzerfreundlichkeit 10 %
Skalierbarkeit 10 %
Support 10 %
Kosten (TCO) 10 %
Sicherheit 5 %

Fazit: ERP-Anbieter systematisch vergleichen und fundiert entscheiden

Ein ERP-Vergleich ist kein schneller Softwarevergleich, sondern ein strategischer Entscheidungsprozess mit langfristigen Auswirkungen auf Prozesse, Effizienz und Wachstum. Unternehmen sollten sich dabei nicht von bekannten Namen, Funktionsumfang oder vermeintlich günstigen Preisen leiten lassen, sondern den Fokus konsequent auf den tatsächlichen Fit legen – also darauf, wie gut ein System zu den eigenen Anforderungen, Prozessen und Zukunftsplänen passt. Wie gezeigt, erfordert ein fundierter ERP-Vergleich ein strukturiertes Vorgehen: von der klaren Definition der Anforderungen über die systematische Eingrenzung der Anbieter bis hin zur objektiven Bewertung anhand transparenter Kriterien. Besonders entscheidend sind dabei Faktoren wie Branchenfit, Integrationsfähigkeit, Skalierbarkeit und die tatsächlichen Gesamtkosten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Unternehmen genau an dieser Stelle an Grenzen stoßen. Die Vielzahl an Anbietern, komplexe Anforderungen und fehlende Markttransparenz machen es schwierig, fundierte Entscheidungen zu treffen. Hier kann die Unterstützung durch unabhängige externe ERP-Berater einen entscheidenden Unterschied machen. Durch ihre Erfahrung, Marktkenntnis und methodische Herangehensweise helfen sie dabei, den Auswahlprozess zu strukturieren, Risiken frühzeitig zu erkennen und eine objektive Entscheidungsgrundlage zu schaffen – ohne Bindung an bestimmte Anbieter. Genau hier setzen wir an: Wir unterstützen Unternehmen dabei, ERP-Anbieter strukturiert, unabhängig und zielgerichtet zu vergleichen. Von der Anforderungsdefinition über die Erstellung einer Shortlist bis hin zur Moderation von Demos und der finalen Bewertung begleiten wir den gesamten Auswahlprozess. Unser Fokus liegt dabei immer auf einer anbieterneutralen Beratung und dem bestmöglichen Fit für Ihr Unternehmen. Wenn Sie aktuell vor der Auswahl eines ERP-Systems stehen oder Ihren bestehenden Auswahlprozess absichern möchten, sprechen Sie uns gerne an. In einer unverbindlichen Erstberatung analysieren wir gemeinsam Ihre Ausgangssituation und zeigen Ihnen, wie Sie Ihren ERP-Vergleich effizient und fundiert aufsetzen können.

Häufig gestellte Fragen zum ERP-Vergleich

Die wichtigsten Kriterien hängen stark von den individuellen Anforderungen des Unternehmens ab, dennoch gibt es einige zentrale Faktoren, die in nahezu jedem ERP-Vergleich eine entscheidende Rolle spielen. Dazu zählen insbesondere der Funktionsumfang und die Prozessabdeckung, der Branchenfit, die Integrationsfähigkeit sowie die Skalierbarkeit des Systems. Ebenso wichtig sind die Benutzerfreundlichkeit, um eine hohe Akzeptanz im Unternehmen sicherzustellen, und die Total Cost of Ownership (TCO), also die Gesamtkosten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Entscheidend ist letztlich nicht ein einzelnes Kriterium, sondern die ausgewogene Bewertung aller relevanten Faktoren im Hinblick auf den konkreten Einsatz im Unternehmen.

In der Praxis hat es sich bewährt, zunächst eine größere Longlist mit etwa 8 bis 12 ERP-Systemen zu erstellen und diese anschließend systematisch einzugrenzen. Für eine fundierte Bewertung und einen effizienten Auswahlprozess sollten am Ende idealerweise 3 bis 5 Anbieter in der engeren Auswahl (Shortlist) stehen. Diese lassen sich noch detailliert vergleichen, etwa durch Demos, Workshops und konkrete Use Cases. Zu viele Anbieter führen schnell zu Intransparenz und erhöhtem Aufwand, während zu wenige Optionen das Risiko erhöhen, eine bessere Lösung zu übersehen.

Zur Total Cost of Ownership (TCO) gehören alle Kosten, die über den gesamten Lebenszyklus eines ERP-Systems anfallen – nicht nur die reinen Lizenz- oder Abonnementgebühren. Dazu zählen insbesondere Implementierungskosten, Datenmigration, Anpassungen (Customizing), Integrationen, Schulungen sowie laufende Betriebs- und Supportkosten. Auch interne Aufwände, etwa für Projektmanagement oder Key User, sollten berücksichtigt werden. Eine realistische TCO-Betrachtung ist entscheidend, um ERP-Systeme wirtschaftlich korrekt zu vergleichen und spätere Kostenüberraschungen zu vermeiden.

Integrationen sind ein zentraler Erfolgsfaktor bei der Auswahl eines ERP-Systems, da ein ERP selten isoliert betrieben wird. In der Praxis muss es nahtlos mit bestehenden Systemen wie CRM, E-Commerce, BI-Tools, HR-Software oder Produktionssystemen zusammenarbeiten. Fehlende oder schlecht umgesetzte Schnittstellen führen schnell zu Medienbrüchen, manuellen Prozessen und inkonsistenten Daten. Deshalb sollte im ERP-Vergleich genau geprüft werden, welche Integrationen erforderlich sind und wie gut der Anbieter diese technisch und organisatorisch unterstützen kann.

Ein Proof of Concept lohnt sich besonders dann, wenn die Anforderungen komplex sind oder kritische Geschäftsprozesse zuverlässig abgebildet werden müssen. Das ist häufig der Fall bei vielen Integrationen, individuellen Prozessen oder branchenspezifischen Besonderheiten. Durch einen PoC können zentrale Funktionen, Schnittstellen und die Benutzerfreundlichkeit unter realistischen Bedingungen getestet werden. So lassen sich Risiken frühzeitig erkennen und Fehlentscheidungen im späteren Projektverlauf vermeiden.

Die Benutzerfreundlichkeit spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg eines ERP-Systems, da sie maßgeblich die Akzeptanz im Unternehmen beeinflusst. Selbst das funktional beste System bringt wenig Mehrwert, wenn es von den Mitarbeitern nicht effizient genutzt wird. Eine intuitive Oberfläche, klare Prozesse und eine einfache Navigation reduzieren Schulungsaufwand und Fehlerquoten im Arbeitsalltag. Daher sollte die Usability im ERP-Vergleich aktiv geprüft werden – idealerweise anhand realer Use Cases und nicht nur anhand von Standard-Demos.

Zur Bewertung von ERP-Anbietern haben sich mehrere strukturierte Methoden etabliert, die eine objektive und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage schaffen. Besonders verbreitet ist die Bewertungsmatrix (Scoring-Modell), bei der definierte Kriterien gewichtet und Anbieter anhand einer Punkteskala bewertet werden. Ergänzend kommen Nutzwertanalysen, Use-Case-basierte Bewertungen (z. B. anhand realer Geschäftsprozesse) sowie Demos und Workshops mit standardisierten Bewertungsschemata zum Einsatz. In komplexeren Projekten werden zudem Proof of Concepts (PoC) oder Referenzanalysen genutzt, um die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Systems zu validieren. In der Praxis ist die Kombination mehrerer Methoden am sinnvollsten, um sowohl funktionale als auch strategische und wirtschaftliche Aspekte ganzheitlich zu bewerten.

ERP-Demos sollten nicht anhand von Standardpräsentationen bewertet werden, sondern auf Basis konkreter, unternehmensspezifischer Use Cases. Entscheidend ist, dass Anbieter reale Geschäftsprozesse aus Ihrem Unternehmen abbilden – etwa typische Abläufe im Einkauf, Vertrieb oder in der Produktion. Während der Demo sollten klare Bewertungskriterien definiert sein, z. B. Prozessfit, Benutzerfreundlichkeit, Durchgängigkeit der Abläufe und Flexibilität des Systems. Wichtig ist außerdem, mehrere Anbieter nach denselben Szenarien zu bewerten, um eine objektive Vergleichbarkeit sicherzustellen und sich nicht von reinen Marketing-Demos beeinflussen zu lassen.

Die Zukunftssicherheit eines ERP-Systems zeigt sich vor allem daran, wie aktiv der Anbieter das System weiterentwickelt und an neue technologische sowie regulatorische Anforderungen anpasst. Wichtige Indikatoren sind eine klare Produkt-Roadmap, regelmäßige Updates, Investitionen in moderne Technologien wie Cloud, Automatisierung oder KI sowie eine stabile wirtschaftliche Basis des Anbieters. Auch ein starkes Partner-Ökosystem und eine wachsende Nutzerbasis sprechen für langfristige Relevanz. Im ERP-Vergleich sollte daher nicht nur der aktuelle Funktionsumfang bewertet werden, sondern auch, wie gut das System zukünftige Anforderungen und Veränderungen im Unternehmen unterstützen kann.

Ob ein ERP-System zu den eigenen Prozessen passt, lässt sich am besten durch einen strukturierten Abgleich zwischen Ist-Prozessen und den Standardfunktionen des Systems erkennen. Dafür sollten zentrale Geschäftsprozesse vorab dokumentiert und in Form von konkreten Use Cases in Demos oder Workshops getestet werden. Entscheidend ist, wie gut das System diese Abläufe im Standard unterstützt, ohne umfangreiche Anpassungen zu erfordern. Je näher der Prozessfit am Standard liegt, desto geringer sind Implementierungsaufwand, Kosten und spätere Risiken.

Ein ERP-Anbieter entwickelt, verkauft oder implementiert ein bestimmtes ERP-System. Sein Fokus liegt in der Regel darauf, die eigene Softwarelösung zu positionieren, zu verkaufen und technisch umzusetzen. Dazu gehören Produktpräsentationen, Lizenzmodelle, Systemkonfiguration, Implementierung und Support für die jeweilige Lösung.

Ein ERP-Berater unterstützt Unternehmen dagegen bei der neutralen Analyse, Auswahl, Planung oder Steuerung eines ERP-Projekts. Besonders eine unabhängige ERP-Beratung ist nicht an einen bestimmten Hersteller gebunden, sondern bewertet verschiedene Lösungen anhand der Anforderungen des Unternehmens. Dadurch hilft sie, Anbieterangebote besser einzuordnen, Risiken zu erkennen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.

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Dominik Kappel

Dominik Kappel ist Geschäftsführer und Head of Sales bei enterDATA. Er begleitet mittelständische Unternehmen bei ERP-Auswahl, Einführung und Projektleitung und unterstützt sie bei der Digitalisierung und strukturellen Optimierung ihrer Prozesse.

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