Typische ERP-Kennzahlen und ihre Bedeutung
ERP-Systeme decken nahezu alle Bereiche eines Unternehmens ab. Entsprechend vielfältig sind die Kennzahlen, die sich daraus ableiten lassen. Hier einige praxisnahe Beispiele aus verschiedenen Fachbereichen: Finanzwesen- EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) Zeigt die operative Ertragskraft des Unternehmens, unabhängig von Finanzierungs- und Steuerstrukturen.
- Debitorenlaufzeit Gibt an, wie viele Tage Kunden im Schnitt benötigen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Lange Laufzeiten binden Liquidität und erhöhen das Ausfallrisiko.
- Kostenstellen-Reporting Stellt dar, wo Kosten im Unternehmen anfallen, und ermöglicht gezielte Maßnahmen zur Kostensenkung.
- Auftragseingang Zeigt die Entwicklung neuer Aufträge über einen Zeitraum. Frühindikator für zukünftige Umsätze.
- Hit-Rate (Angebotsquote) Verhältnis gewonnener Aufträge zu abgegebenen Angeboten. Niedrige Quoten können auf Probleme in Preisgestaltung oder Angebotsqualität hinweisen.
- Umsatz pro Kunde Hilft bei der Priorisierung von Key Accounts und bei der Entwicklung von Kundenbindungsstrategien.
- Lagerumschlagshäufigkeit Misst, wie oft der Lagerbestand innerhalb eines Zeitraums verkauft und ersetzt wird. Niedrige Umschlagshäufigkeiten binden Kapital und erhöhen Lagerkosten.
- Lieferantenpünktlichkeit Anteil der Lieferungen, die zum vereinbarten Termin eintreffen. Wichtiger Faktor für Produktionssicherheit und Kundenzufriedenheit.
- Bestandsreichweite Zeigt, wie lange die aktuellen Lagerbestände ausreichen, um die Nachfrage zu decken. Wichtig für Liquidität und Vermeidung von Engpässen.
- OEE (Overall Equipment Effectiveness) Gesamtanlageneffektivität. Kombiniert Verfügbarkeit, Leistung und Qualität einer Maschine oder Anlage zu einer einzigen Kennzahl.
- Ausschussquote Anteil fehlerhafter Produkte an der Gesamtproduktion. Hohe Quoten bedeuten höhere Kosten und Qualitätsprobleme.
- Durchlaufzeit Zeit vom Produktionsstart bis zur Fertigstellung. Kurze Durchlaufzeiten verbessern Flexibilität und Kundenzufriedenheit.
- Mitarbeiterfluktuation Anteil der Mitarbeiter, die das Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum verlassen. Hohe Werte deuten oft auf Unzufriedenheit oder Wettbewerbsdruck hin.
- Überstundenquote Gibt Hinweise auf Überlastung einzelner Bereiche oder unzureichende Kapazitätsplanung.
- Kosten pro Mitarbeiter Wichtige Kennzahl für die Personalkostenplanung und -steuerung.
Vorteile systemgestützter KPIs aus dem ERP-System
Viele Unternehmen kämpfen mit verstreuten Datenquellen: Excel-Listen hier, isolierte Fachanwendungen dort. Dadurch entstehen oft folgende Probleme:- Zeitverzögerungen: Daten müssen manuell zusammengeführt werden – ein Aufwand, der Ressourcen bindet.
- Inkonsistenzen: Unterschiedliche Datenquellen liefern widersprüchliche Ergebnisse.
- Mangelnde Aktualität: Viele Kennzahlen basieren auf Daten, die bereits veraltet sind.
- Zentrale Datenquelle Alle Daten stammen aus einem System. Das stellt sicher, dass alle Fachbereiche mit denselben, konsistenten Informationen arbeiten.
- Aktualität Viele Kennzahlen können nahezu in Echtzeit abgerufen werden – ein enormer Vorteil in dynamischen Märkten.
- Automatisierung Berichte, Dashboards und Kennzahlen lassen sich automatisch generieren, was Zeit spart und Fehler reduziert.
- Transparenz und Drill-Down Auffällige Kennzahlen können direkt bis auf Einzelbelege oder Prozessebene zurückverfolgt werden. So werden Ursachen schneller erkannt.
- Bessere Entscheidungsgrundlage Entscheider erhalten präzise, aktuelle Informationen und können schneller und fundierter reagieren.
Fazit: ERP KPIs richtig nutzen – mit echten Daten zu fundierten Entscheidungen:
KPIs sind unverzichtbar für eine fundierte Unternehmenssteuerung. Doch sie entfalten ihren vollen Wert erst dann, wenn sie auf einer konsistenten, aktuellen Datenbasis beruhen. Hier bieten ERP-Systeme einen entscheidenden Vorteil: Sie liefern Kennzahlen direkt aus den Prozessen, ermöglichen Automatisierung und sichern eine einheitliche Datenwahrheit. Ob Finanzen, Vertrieb, Produktion oder Personal – mit systemgestützten KPIs können Unternehmen ihre Performance gezielt messen, vergleichen und verbessern. Wer nachhaltig erfolgreich sein will, sollte daher nicht nur wissen, welche KPIs wichtig sind, sondern auch sicherstellen, dass sie zuverlässig und effizient aus dem ERP-System gewonnen werden.Häufig gestellte Fragen zu ERP KPIs:
Der Erfolg einer ERP-Einführung lässt sich nicht allein am Go-live messen. Entscheidend ist, ob das neue ERP-System die definierten Geschäftsziele unterstützt und Prozesse messbar verbessert. Geeignete Kennzahlen sind zum Beispiel geringere Durchlaufzeiten, weniger manuelle Tätigkeiten, bessere Datenqualität, schnellere Abschlüsse, höhere Termintreue oder eine bessere Systemnutzung durch die Anwender. Wichtig ist, die Ausgangssituation vor Projektbeginn zu dokumentieren und nach dem Go-live regelmäßig mit den Zielwerten zu vergleichen.
OKRs (Objectives and Key Results) beschreiben, welches Ziel erreicht werden soll und über welche messbaren Ergebnisse der Fortschritt bewertet wird. Sie dienen vor allem der strategischen Ausrichtung und Veränderung.
KPIs (Key Performance Indicators) sind konkrete Kennzahlen, die zeigen, wie gut ein Prozess, System oder Unternehmensbereich aktuell funktioniert. Sie messen die laufende Leistung, zum Beispiel Durchlaufzeiten, Fehlerquoten oder Datenqualität.
Im ERP-Kontext helfen OKRs, Verbesserungsziele zu definieren. KPIs zeigen, ob diese Ziele tatsächlich erreicht werden. Ein KPI kann dabei auch als messbares Key Result innerhalb eines OKR genutzt werden.
Für die Unternehmenssteuerung sind ERP-Kennzahlen relevant, die Prozesse, Finanzen, Bestände, Kunden, Lieferanten und operative Leistung transparent machen. Dazu gehören zum Beispiel Umsatz, Deckungsbeitrag, Auftragsbestand, Liefertermintreue, Lagerumschlag, Bestandshöhe, Durchlaufzeiten, Forderungslaufzeiten, Einkaufsvolumen oder Produktionsauslastung. Welche Kennzahlen besonders wichtig sind, hängt vom Geschäftsmodell ab. Entscheidend ist, dass ERP-KPIs nicht isoliert betrachtet werden, sondern konkrete Steuerungsentscheidungen unterstützen.
ERP KPIs sind irreführend, wenn sie auf unvollständigen, veralteten oder fehlerhaften Daten basieren. Auch falsch definierte Kennzahlen, uneinheitliche Berechnungslogiken oder fehlender Kontext können zu falschen Schlussfolgerungen führen.
Eine niedrige Prozessdauer kann zum Beispiel positiv wirken, wenn gleichzeitig aber Fehlerquoten oder Nacharbeiten steigen, ist die Kennzahl allein wenig aussagekräftig. Unternehmen sollten daher nicht zu viele Einzelkennzahlen betrachten, sondern ein abgestimmtes KPI-Set nutzen, das Datenqualität, Prozessleistung und Unternehmensziele gemeinsam berücksichtigt.